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Warum für deinen Hund draußen alles spannender ist als du?

Warum für deinen Hund draußen alles spannender ist als du?

Kaum öffnet sich die Haustür, scheint sich für viele Hunde eine völlig neue Welt zu eröffnen. Überall gibt es spannende Gerüche, Bewegungen und Geräusche. Der Boden erzählt Geschichten, andere Hunde hinterlassen Duftspuren und am Horizont tauchen Jogger, Fahrräder oder Vögel auf.

Kein Wunder also, dass viele Hundehalter das Gefühl haben, gegen all diese Eindrücke kaum eine Chance zu haben. Das Lieblingsspielzeug, das im Wohnzimmer noch für leuchtende Augen sorgt, scheint draußen plötzlich völlig uninteressant zu sein.

Hundetrainerin Ellen Marques, Inhaberin der Martin Rütter Hundeschule Köln und bekannt aus TV-Formaten wie „Der Hundeprofi“ und „Die Unvermittelbaren“, erklärt, warum dieses Verhalten ganz normal ist und wie Hundehalter trotzdem die Aufmerksamkeit ihres Hundes zurückgewinnen können.

Draußen konkurriert alles um Aufmerksamkeit

„Draußen wirken deutlich mehr konkurrierende Reize“, erklärt Ellen Marques.

Während die häusliche Umgebung vergleichsweise ruhig und vorhersehbar ist, verarbeitet ein Hund draußen unzählige Informationen gleichzeitig.

Dazu gehören unter anderem:

  • intensive Gerüche
  • andere Hunde
  • Wildtiere
  • Jogger und Radfahrer
  • Autos und Geräusche
  • wechselnde Untergründe
  • Bewegungen in der Umgebung

Jeder dieser Reize kann für den Hund spannender sein als das Spielzeug in der Hand seines Menschen.

Das ist kein Ungehorsam

Viele Hundehalter interpretieren mangelnde Aufmerksamkeit draußen als Ungehorsam oder fehlende Motivation.

In den meisten Fällen trifft das jedoch nicht zu.

Aus Sicht des Hundes konkurrieren draußen ständig neue Informationen miteinander. Sein Gehirn bewertet fortlaufend, welche Reize gerade besonders wichtig sind.

Wenn der Hund lieber einer frischen Spur folgt als einem Ball hinterherzulaufen, bedeutet das nicht automatisch, dass er seinen Menschen ignorieren möchte. Häufig gewinnt schlicht der aus Hundesicht attraktivere Reiz.

Warum das richtige Spielzeug allein nicht reicht

Natürlich spielt auch das Spielzeug selbst eine Rolle.

Ein hochwertiges, gut geeignetes Spielzeug kann die Motivation deutlich erhöhen. Trotzdem ist es nur ein Teil des Gesamtbildes.

Ellen Marques betont, dass vor allem die gemeinsame Interaktion entscheidend ist.

„Man muss selber ein bisschen geiler werden als die Umwelt.“

Gemeint ist damit nicht, den Hund permanent zu überdrehen oder immer spektakulärere Aktionen zu veranstalten. Vielmehr geht es darum, gemeinsam echte Freude am Spiel zu entwickeln und dieses positiv aufzubauen.

Warum deine Begeisterung ansteckend ist

Hunde orientieren sich stark an der Stimmung ihres Menschen.

Wer das Spielzeug lustlos in die Wiese wirft und nebenbei aufs Handy schaut, wird seinen Hund selten nachhaltig begeistern.

Anders sieht es aus, wenn gemeinsames Spiel abwechslungsreich, überraschend und lebendig gestaltet wird.

Viele Hunde erleben genau diese gemeinsame Aktivität als besonders wertvoll und richten ihre Aufmerksamkeit dadurch häufiger wieder auf ihren Menschen.

Spiel bewusst aufbauen

Damit Spiel draußen funktioniert, lohnt es sich, systematisch vorzugehen.

Hilfreich sind zum Beispiel:

  • ein Spielzeug, das der Hund besonders liebt
  • kurze, intensive Spieleinheiten statt langer Dauerbespaßung
  • ein Trainingsort mit möglichst wenigen Ablenkungen zu Beginn
  • klare Start- und Endsignale
  • regelmäßige Erfolgserlebnisse

Erst wenn das Spiel in ruhiger Umgebung zuverlässig funktioniert, sollte der Schwierigkeitsgrad langsam gesteigert werden.

Aufmerksamkeit entsteht durch Beziehung

Am Ende geht es nicht darum, jede Maus oder jeden spannenden Geruch auszustechen.

Das wäre weder realistisch noch sinnvoll.

Viel wichtiger ist, dass der Hund lernt: Die gemeinsame Zeit mit seinem Menschen lohnt sich ebenfalls.

Je häufiger der Hund positive Erfahrungen mit gemeinsamem Spiel macht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auch in einer spannenden Umgebung immer wieder freiwillig an seinem Menschen orientiert.

Fazit: Nicht gegen die Umwelt kämpfen, sondern interessanter werden

Dass Hunde draußen leicht abgelenkt sind, ist völlig normal. Die Umwelt bietet eine Fülle von Reizen, die aus Hundesicht oft spannender sind als ein Spielzeug.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Praxis von Ellen Marques lautet deshalb: Versuche nicht, gegen die Umwelt anzukämpfen. Sorge stattdessen dafür, dass sich dein Hund auch für die gemeinsame Zeit mit dir begeistert.

Mit dem passenden Spielzeug, einer guten Portion gemeinsamer Freude und einem schrittweisen Trainingsaufbau kannst du die Orientierung deines Hundes nachhaltig stärken.

Denn am Ende bist nicht das Spielzeug oder der Ball die eigentliche Belohnung – sondern das gemeinsame Erlebnis mit dir.